Das Ende des Winterschlafs.

Da sind wir wieder!

Lange hab ich überlegt, und es vor mir hergeschoben, hier wieder zu schreiben. Ich dachte, ich müsse etwas Großes, Fulminantes schreiben, einen Eintrag einem Feuerwerk gleich, humorvoll, rührend, bewegend. Ein Meilenstein der Bloggeschichte. Pulitzerpreisverdächtig.

Also schrieb ich – nix.

Aber jetzt ist mal gut mit Druck machen und müde sein und keine Zeit haben. Ich schreib einfach wieder, und fertig.

Gut gehts uns, der Frosch ist anderthalb und ein sehr aktiver, lustiger, wahnwitziger Zeitgenosse.

Heute morgen lag ich noch halb unbesinnt im Bett, Fröschlein neben mir, und schaute sich ganz in Ruhe sein Buch an. Dann steht er auf, schaut angestrengt aus dem Fenster, sagt „Törööö!“ – und schmettert erstmal eine Salve Donnerpupse in die Welt.

Guten Morgen, Frosch: Ich hab Dich lieb.

Zwölf. Also: Eins.

Frosch aller Frösche,

ein Jahr bist Du heute. Genau 365 Tage ist es her, daß Du das Licht der Welt erblicktest. 

Die letzten Tage habe ich so viel überlegt, was ich Dir schreiben könnte, was ich Tolles machen wollte an diesem Tag und überhaupt. Und jetzt? Bin ich nach einer sehr unruhigen Nacht sehr müde, sehr gerührt – und sehr sprachlos. Mir fehlen schlicht und ergreifend die Worte, das Gefühlschaos zu beschreiben.

Mein Herz wohnt irgendwo in einem großen, chaotischen Haus zwischen seinen Nachbarn Glück, Trauer, Freude und Sehnsucht, auf dem Briefkasten steht „Wehmut“ und in der Küche steht auf dem Küchentisch neben einem riesigen Geburtstagsmuffin eine ebenso riesige Tasse viel zu starker Kaffee mit viel zu viel Zucker. So bittersüß sind meine Muttergefühle an Deinem ersten Wiegenfeste.

Meine Gefühle für Dich sind so groß, die passen durch keine Tür und in keine Worte. Und manchmal tun sie ein bißchen weh. Aber das ist okay.

Deswegen mache ich es heute kurz:

Mein Schatz, mein Frosch, mein Leben: Ich liebe Dich von ganzem Herzen. Und ich bin so stolz darauf, Deine Mama zu sein. 

Happy Birthday, little Frog.

Deine

Mama Zanilla

364days birthday

T minus eine Woche.

Gestern vor einem Jahr war errechneter Entbindungstermin, und in einer Woche wird der Frosch schon ein Jahr alt. Es passiert so viel, und jeden Tag lernt er neues dazu. Im Moment befindet er sich mitten in einem Entwicklungsschub, der es echt in sich hat. Schlafen ist schwierig, Brüllen ist in, erste Entdeckung des eigenen Willens mit erster Frustrationserfahrung, wenn er ebendiesen Froschwillen nicht bekommt. Euer fröschliche Hoheit, mit Verlaub, Ihr seid unheimlich putzig in Eurem Zorn, wenn der Kopf rot anläuft, die Fäustchen geballt und der Mund zusammengekniffen wird. Und anstrengend ist das auch.

Ich überlege jetzt schon, was ich bloggen werde am ersten Geburtstag. Da das Bloggen bei mir aber spontan und intuitiv abläuft, kann ich diese Überlegungen eigentlich gleich wieder lassen – ich weiß es, wenn ich es gebloggt habe.

Gefeiert wird natürlich auch. Eine Spongebob-Party wirds werden, mit Partyhütchen, Papptellern, Kuchen und Muffins und Gästen. 

Letzte Woche habe ich sowohl das Ladegerät als auch die dazugehörige Digitalkamera gezwungen, sich beide zeitgleich an einem Ort zu befinden (die Schlingel waren verkracht und deswegen immer nur einzeln anwesend, hatte ich das Ladekabel, war die Kamera weg, und vice versa – seit OKTOBER 2013). Und endlich die allerersten Fotos vom Frosch wiedergefunden. Heute dann mal Abzüge bestellt. Babyalbum anlegen, solange der Frosch noch ein Baby ist. 

Ganz seltsames Gefühlschaos, was mich da befälllt. Seit einem Jahr bin ich Mama, und seit einem Jahr habe ich einen Sohn. Das ist so abgefahren, wie schnell dieses Jahr rumging.

Bitte entschuldigt mich: Ich werde mich mal weiter in Sentimentalität suhlen. Und meine Muffinform suchen (die hat nämlich offenbar Streß mit meiner Springform).

Elf.

Fröschlein – elf Monate.

Was soll ich dazu schreiben? In einem Monat bist Du ein Kleinkind und kein Baby mehr. Noch bist Du offiziell Baby, und mein Baby bleibst Du sowieso und immerdar. Aber Du bist jetzt schon so groß und selbständig und eigenwillig, daß ich Dich als meinen kleinen Jungen wahrnehme, der Dinge will und Sachen tut und die Welt erkundet.

Du stehst jetzt frei, wenn auch nur für ein paar Sekunden und nur, wenn Du es nicht merkst, daß Du gerade stehst. Du findest an Dingen entlanglaufen immer toller und Krabbeln immer blöder. Deine Beulen-und-Schrammen-Frequenz steigt geradezu exponentiell an, und es ist erstaunlich, auf welche Arten und Weisen Du Dir den Kopf stoßen kannst. Und in welcher kurzen Zeitspanne (einmal umgedreht, BAMM).

Mittlerweile ißt Du bei jedem Essen, das wir essen, einfach mit, kombiniert mit Obst und Gemüse und Vollkorntoast und Knusperbrot und was ich Dir sonst noch in die Hand drücke. Im Moment ist Fleisch in jeder Form der Renner. Nach der Gemüsephase, der Obstphase und der Brotphase schnabulierst Du Dich jetzt also omnivor durch unseren Kühlschrank.

Du hast ein neues Wort gelernt, was Du sehr gerne und ausgiebig benutzt: „Rattarattaratta“ oder auch „Röddöröddöröddö“. Außer Dir weiß zwar niemand so genau, was es bedeutet, aber Du bist sehr überzeugt von dem Konzept. So sei es denn, ich nicke höflich und antworte, was mir in dem Moment angemessen erscheint.

Du hast Dir gestern Abend ein neues Spiel ausgedacht. Dein erstes eigenes Spiel, was mit bewußt auffällt. Wir liegen beide im großen Bett, ich auf dem Rücken, Du irgendwo zwischen meinen Füßen. Dann beißt Du erst zart, dann fester in eine meiner Zehen, bis ich lachen muß und dann krabbelst Du so schnell Du kannst auf meinen Bauch und kuschelst Dich an mich.

Und dann wieder von vorne.

Das ist so lustig, unser erstes eigenes Spiel, und ich spiele das gerne noch hunderttausendmal mit Dir, mein Schatz.

Schlafen ist zur Zeit echt schwierig geworden. Oder sagen wir, sehr aus dem Rhythmus und sehr störanfällig. Aber das Schöne ist, solche Phasen gehen bei Dir schnell vorbei, und ich merke, wie es langsam wieder besser wird. Du hast Dich gestern so fest in meinen Arm geschmiegt und bist eingeschlafen, und da Du sonst mehr der Action- und weniger der Schmusefrosch bist (also eher Frosch Willis als Frosch Grant), war ich so freudig überrascht, daß mein Herz mir fast gesprungen wäre vor lauter Glückseligkeit. In dem Moment sind die schlaflosen Nächte vorher und schlaflosen Motztage vollkommen egal, wenn Du in meinem Arm liegst, Dein Gesicht in meine Achsel drückst, Deine Hand nach einem meiner Finger greift und ihn gut festhält. Das ist das Glück, in diesem Moment, wir beide, für immer.

Ich bin ein bißchen entsetzt, daß die Zeit so rast. Ich sehe alte Menschen mit ihren erwachsenen Kindern und denke, oh Gott, bald und ehe ichs mich versehe bin ich auch so alt und Du mein erwachsener Sohn. Bis dahin bete ich, daß wir uns gut verstehen und weiter so lieben, wie wir es jetzt tun. Wer weiß, was noch passieren wird, wie es weitergeht, was das Leben an Abenteuern bereithält. Das liegt nicht in unserer Hand, wir können nur hoffen, daß wir das hinbekommen.

Jeden Tag möchte ich Dir eine gute Basis dafür geben, einen Hafen, der Dich bereit macht für die große Reise durch dieses wilde Leben, was wir leben. Manchmal mache ich mir Sorgen, daß ich das nicht schaffe, daß meine Liebe nicht reicht, daß wir uns irgendwie verlieren. Da brauche ich Bilder, die mich beruhigen und zuversichtlich machen. Und deswegen möchte ich den Moment gestern im Gedächtnis behalten, solange ich lebe: Wir aneinandergekuschelt im Bett, das Glück, in diesem Moment, wir beide, für immer.

Ich hab Dich so lieb, mein Frosch.

Deine

Mama Zanilla

 

PicsArt_1407144276115

 

 

[audio http://archive.org/download/fc_04082014/FC_04082014.mp3]

Froschcast 04.08.2014 herunterladen

Alles Lüge. Und trotzdem.

Wie wir vorgestern erfahren haben, war die Todesnachricht – gelogen.

Wow.

Es gibt zwei Möglichkeiten:

a) eine Mutter erklärt ihr Kind aus Aufmerksamkeitssucht, Irrsinn oder sonstigen abstrusen Gründen für tot.

b) jemand hackt den Account besagter Mutter, um monatelang in einem Babyforum Dinge in ihrem Namen zu posten und dann das Kind auf einmal für tot zu erklären.

Zu beiden Möglichkeiten fällt mir leider gar nichts ein.

Wir haben gelitten, getrauert, überlegt, Geld zu schicken für einen Grabstein.

Einige von uns haben bereits Kinder verloren, sei es durch Fehlgeburt oder plötzlichen Kindstod, und sind durch diese Nachricht wieder voll in die Trauer um ihr eigenes Sternenkind gefallen, wurden erinnert an diese schreckliche Zeit nach dem Verlust.

Andere haben wieder die AngelCare-Matten ausgepackt, nicht geschlafen, ihre Kinder stündlich kontrolliert, ob sie noch leben, Ängste ausgestanden.

Wie kann man sich solch eine Lüge ausdenken? Wie kann man so etwas verbreiten und sich mehrmals dazu äußern, die betreffende Nacht schildern, Einzelheiten verbreiten, sich suhlen in der Trauer anderer?

Jedenfalls geht es dem betreffenden Kind gut.

Trotzdem gibt es den plötzlichen Kindstod, der auch bei größeren Babies noch vorkommen kann. Es kann unsere Kinder immer noch treffen, und niemand kann etwas tun.

Ich bin so dankbar, daß der Frosch lebt und gesund ist.

 

Edit:

Weehoo! Der erste richtige Froschcast!

Gebt mir bitte mal Rückmeldung, ob die Qualität so okay ist. Mein Budget reichte nämlich nur für ein 5,99€-Mikro aus dem Kaufland. Hihi.

Die Technik hab ich noch nicht so ganz verinnerlicht (immerhin jongliere ich mit Auphonic, Archive, Audacity und WordPress gleichzeitig und ich vergesse grundsätzlich irgendeinen essentiellen Arbeitsschritt bei mindestens einem Programm), ich denke, das kommt mit der Übung.

 

[audio http://archive.org/download/fc_210714/FC_210714.mp3]

 

Froschcast 21.07.2014 herunterladen

Keine Worte.

Es ist passiert, das Schreckliche, vor dem alle Mütter Angst haben. Eine aus unserem Forum hat ihren Sohn zu Grabe getragen, kurz nach seiner Taufe, wahrscheinlich plötzlicher Kindstod.

So entsetzlich, so grausam, so unfassbar. Wir sind alle traurig und bestürzt und rennen schnell nach unseren Kindern sehen und unsere Babies umarmen. Der Frosch turnt vor mir durchs Wohnzimmer und räumt mit großer Konzentration alle Tische und Regale aus, die er sieht. Ich bin sehr froh, daß er das tut.

Diese unendliche, dunkle, finstere Leere, die in einem Herzen entsteht, wenn ein kleiner Mensch für immer geht, mag ich mir gar nicht vorstellen. Wenn man von seinem eigenen Baby getrennt wird, unrettbar getrennt wird. Wenn da keiner mehr ist, mit dem man dessen ersten Geburtstag feiern kann. Wenn da keiner mehr erste Schritte machen, erste Worte sagen, das erste Mal die Couch anmalen oder zum ersten Mal aufs Töpfchen gehen wird.

Wie mag das sein, sein eigenes Kind zu Grabe zu tragen? Zu wissen, der kleine Körper, den man eben noch in seinem Bauch getragen und dann in seinen Armen gewiegt hat, liegt jetzt seelenlos in einer Holzkiste, ganz allein in der kalten Erde?

Kann eine Mutter so etwas überhaupt verkraften? Und wenn ja: Wie geht das?

Das Schicksal ist in diesem Fall, mit Verlaub, ein großes Arschloch.

Wir sind in Gedanken bei Mama und Sohn.

Ihr seid vielleicht getrennt worden, aber Eure Liebe wird Euch ewig miteinander verbinden.

 

[audio http://archive.org/download/fc_180714/FC_180714.mp3]

 

Froschcast 18.07.2014 herunterladen